Menü/Datenschutz

Home > News/Presse > Blendwirkung

Nachbarrecht: Blendwirkung abwehrbar?

Haus - Copyright Sylvia Horst(ho) Über Geschmack lässt sich nun mal eben lange oder gar nicht streiten. So mancher liebt es hochglänzend auf dem Dach - oder seidenmatt glänzend. Hier haben wir es mit einem Nachbarn - nennen wir ihn N - zu tun, der das Dach seines Hauses sowohl mit hochglänzenden als auch mit matt glasierten Dachpfannen eindecken lässt.

Dem benachbarten Grundstückseigentümer G gefällt das nicht. Er rügt Blendungen zu bestimmten Tageszeiten und auch bei Vollmond. Beide verwendeten Pfannenarten blendeten ihn so stark, dass er weder seinen Garten noch sein Wohn- und Esszimmer in den angegebenen Zeiten einschränkungslos nutzen könnte. Um einer Blendwirkung zu entgehen, müsse er immer mit gesenktem Kopf herumlaufen. Er verklagt N darauf, die von seinem Dach ausgehende Blendwirkung zu beseitigen. Das Landgericht sieht das in Bezug auf die hochglänzenden Dachpfannen genauso, nicht aber in Bezug auf die seidenmatt gehaltenen Flächen. Die dagegen geführte Berufung vor dem Oberlandesgericht (OLG) Hamm bleibt erfolglos (Urteil vom 9.7.2019 - 24 U 27/18, juris).

G habe die auch von den seidenmatt glasierten Dachpfannen ausgehende Blendwirkung zu dulden (§ 1004 Abs. 2 BGB). Denn sie sei als Beeinträchtigung nur unwesentlich (§ 906 Abs. 1 BGB). Verbindliche Richtwerte zur Abgrenzung von einer unwesentlichen zu einer wesentlichen Beeinträchtigung durch Blendwirkung gebe es nicht, auch wenn für Fotovoltaikanlagen bei einer Leuchtdichte von 100.000 Candela pro Quadratmeter von einer wesentlichen Blendwirkung ausgegangen werde. Dabei handle es sich um eine Maßeinheit zur Bestimmung der Leuchtdichte, auch als Helligkeit einer leuchtenden Fläche bezeichnet.

Die Leuchtdichte eines mittleren klaren Himmels umfasse etwa 8000 cd/qm. Verbindlich sei dieser Richtwert aber genauso wenig wie die genannte Lichtmenge zu einer erheblich beeinträchtigenden Lichtstärke bei Fotovoltaikanlagen. Deshalb komme es wieder auf das Empfinden eines verständigen Durchschnittsmenschen an. Die Dauer der Lichteinwirkung, die Intensität der Lichtreflexe und die daraus folgenden resultierenden Auswirkungen auf die Nutzung eines Grundstücks seien einschlägig. Das Gericht folgte daher dem eingeholten Sachverständigengutachten, das den persönlichen Eindruck des Gutachters der Lichtreflexionen als unwesentlich zeigt.

© Dr. Hans Reinold Horst

News/Presse >>

Unsere Partner:

Logo Roland Versicherung Logo VGH-Versicherung Logo NDS Bauschlichtungsstelle Logo Hausbank